Finanzen Allgemein

Deutsche Sparer – Warum bieten Auslandsbanken aktuell die besten Zinsen?

Im Bankenmarkt herrscht Bewegung: Selten dürften so viele neue Anbieter aus dem europäischen Ausland den Schritt auf den deutschen Markt gewagt haben,
wie im vergangenen Jahr. Weitere Kreditinstitute werden voraussichtlich in den nächsten Monaten folgen.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei das Geld der deutschen Sparer, die mittlerweile aus einem breiten Angebot unterschiedlicher Direktbanken aus den Niederlanden, Großbritannien, Österreich und anderen europäischen Staaten wählen können. So gab etwa die Bank Of Scotland im Januar 2012 bekannt, dass drei Jahre nach dem Markteintritt in Deutschland bereits über 500.000 Kunden ein Online-Konto des Unternehmens nutzen.

Der Wettbewerb um deutsche Kunden

europa und deutschland
Europäische Banken im
Wettbewerb um deutsche Sparer.
Bild: Lupo / pixelio.de

Doch warum sind die deutschen Sparer für die europäischen Banken eigentlich so interessant?

Ursache für den verschärften Wettbewerb ist nicht zuletzt die Euro-Krise: Während die Beschaffung von Kapital auf den Finanzmärkten für viele Kreditinstitute zunehmend komplizierter und teurer wird, werden die Sparguthaben der Kunden als Geldquelle gleichzeitig wieder interessanter.

Die deutschen Sparer verfügen dabei nicht nur über ein beträchtliches Vermögen, auch die Zinsen für Spareinlagen sind in Deutschland häufig niedriger als im europäischen Ausland, etwa in den Niederlanden. Für die Banken ist Deutschland damit ein interessanter Markt, um neues Kapital zur Refinanzierung zu akzeptablen Konditionen zu erhalten.

Auswirkungen für Anleger und Sparer

Getreu dem Motto “Konkurrenz belebt das Geschäft” dürften deutsche Sparer zunächst von dieser Entwicklunge profitieren. Während die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld allgemein immer geringer ausfallen, bieten Banken aus dem europäischen Ausland wie etwa die Bank Of Scotland oder die RaboDirect aktuell noch die besten Konditionen.

geldanlage europa
Geldanlage im
europäischen Ausland.
Bild: GG-Berlin / pixelio.de

Bezüglich der Absicherung der Sparguthaben ist zu unterscheiden zwischen Banken, die einen selbständigen Geschäftssitz oder eine Firmentochter in Deutschland betreiben und solchen, die lediglich eine unselbständige Zweigniederlassung unterhalten. Banken mit einem eigenständigen Sitz in Deutschland unterliegen normalerweise der gesetzlichen Einlagensicherung durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH, während solche ohne eine eigenständige Tochter den Sicherungseinrichtungen im Ausland angehören. Mittlerweile wird in allen EU-Staaten aber eine Mindestabsicherung von 100.000 Euro pro Kunde garantiert.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit der Mitgliedschaft einer in Deutschland aktiven Bank im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Diese zusätzliche Absicherung beginnt jedoch erst dann, wenn die Grenzen der Absicherung durch die jeweiligen gesetzlichen Einrichtungen überschritten werden.

Prinzipiell können deutsche Sparer ihr Geld also auch im europäischen Ausland beruhigt anlegen, solange die Grenzen der Absicherung beachtet werden. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass auch ein Sicherungsfonds im Krisenfall nur über begrenzte Kapazitäten verfügt, egal ob in Deutschland oder im europäischen Ausland. In einem derartigen Krisenszenario müssten Sparer dann darauf vertrauen, dass der Staat für die Entschädigung der Anleger aufkommt.