“Die Finanzportale in Deutschland schöpfen die Möglichkeiten des Web2.0 nicht vollständig aus”: So lautet gemäß einer Pressemitteilung vom letzten Monat das Ergebniss der Umfrage eines deutschen Finanzportals unter Bloggern.
Die These: “Web 2.0-typische” Elemente wie User Generated Content, Interaktivität und soziale Interaktion werden zukünftig auch auf Finanzseiten immer wichtiger. Statt auf die (im Normalfall nur selten unabhängige) Beratung eines Bankberaters zu setzen, würden dabei die Meinungen der Nutzer in den Vordergrund treten. Ein sinvoller Ansatz?
Sicher dürfte sein, dass das provisionsabhängige Beratungssystem der Finanzbranche an einem Vertrauensverlust leidet. Dies belegen aktuelle Studien, wie beispielweise die der Postbank. Die Verbraucher vertrauen derzeit scheinbar lieber auf einfach strukturierte Finanzprodukte, wie Tagesgeldkonten, Riester-Sparpläne oder legen ihr Geld in Immobilien an.
Dass das System der Kundenmeinungen im Internet funktionieren kann, zeigt der Erfolg von Meinungsportalen im allgemeinen, etwa im Bereich der Bewertung von Reiseanbietern oder Hotels. Ob dies aber auch auf den Bereich der Finanzprodukte übertragbar ist, dürfte abzuwarten sein.
Einer der derzeit spannendsten Phänomene im Zusammenhang mit dem Konzept der Partizipation im Netz dürfte das Phänomen der kollektiven Intelligenz sein. Das Ganze ist hier mehr als die Summer sein Teile, ein Kollektiv von “Amateuren” stellenweise der Expertise eines Experten überlegen.
Natürlich kann dieses System aber auch missbraucht werden, etwa durch manipulierte Kundenmeinungen oder Vandalismus im Netz. Ein gutes Beispiel ist hier Wikipedia, die sich nach einer langen Zeit der Öffnung für alle Teilnehmer nun wieder stückweise zu schließen beginnt.
Möglicherweise liegt aber gerade bei den Finanzprodukten die Lösung eher im Bereich der Honorarberatung durch unabhängige Fachleute. Wie auch immer, ein wenig mehr Web2.0 dürfte den deutschen Finanzportalen sicherlich nicht schaden.



